Chronik - Orchester
Orchester | Majoretten
Josef Uschold Entwickelt hat sich der Musikzug, der heute 63 aktive Musiker zählt, freilich aus ganz kleinen Anfängen. Seine öffentliche Geburtsstunde schlug am 1. Mai 1952 - als "Fanfarenzug der Kolpingsfamilie"! Der damalige Kaplan Jakob Wolfsteiner hatte den Anstoß dazu gegeben und den damals 20-jährigen Josef (Sepp) Uschold gebeten einen Fanfarenzug aufzubauen. Sepp Uschold, der anschließend 35 Jahre lang wie kein anderer die Erfolgsgeschichte des Musikzuges als engagierter "Boss" verkörpern sollte, ließ sich nicht zweimal bitten und ging mit Feuereifer ans Werk. Sein Elan wirkte förmlich ansteckend. Zwölf Burschen der Kolpingsjugend griffen mit ihm die Idee begeistert auf und ließen sich von widrigen äußeren Umständen wie fehlenden Probenräumen nicht schrecken. So traf man sich zum Üben in Hinterhöfen, Kellerräumen oder Waschhäusern.

Am 1. Mai 1952 wurde es schließlich ernst! Zum ersten Mal präsentierte sich der "Fanfarenzug" auf dem Markplatz der Öffentlichkeit, in schwarzer Hose und weißem Hemd, der Uniform der Kolpingsjugend. Offenkundig hatte man einen glänzenden Einstand, wurde doch der Fanfarenzug in der Folgezeit immer öfter bei allen möglichen feierlichen Anlässen zu Auftritten eingeladen.

Von Kaplan Josef Schedl, einem großen Förderer des Musikzuges und der Hirschauer Jugend schlechthin, gingen wichtige Impulse zum Umbau des "Fanfarenzuges" zum "Spielmannszug" aus. Im Mai 1967 präsentierte sich der "Spielmannszug der Kolpingsfamilie" zum ersten Mal in der blauen Heroldstracht, die bis heute das äußere Erscheinungsbild der Kapelle prägt. Mit der Kleidung änderte sich auch allmählich die musikalische Ausrichtung. Besondere Verdienste um die musikalische Ausbildung erwarben sich in diesen Jahren Georg Häusler, Rolf Mader und Georg Meier, die lange Zeit die Ausbildung und die Proben leiteten. Um die musikalische Weiterentwicklung des Vereins zu fördern, beschloss die Vorstandschaft 1973 künftig auch Mädchen in den Spielmannszug aufzunehmen. Dies mit sichtlichem Erfolg. Das Interesse bei der weiblichen Hirschauer Jugend war sehr groß. Entsprechend konnte das musikalische Volumen der Orchesters verstärkt werden.

Zwei Jahre später erfuhr die "weibliche Abteilung" des Spielmannszuges eine weitere Bereicherung. In Saarlouis von der Französin Viviane Flaus inspiriert, setzte es sich Sepp Uschold zum Ziel die Attraktivität des Spielmannszug durch den Aufbau eines Majorettenkorps weiter zu steigern. Dank des Engagements von Victoria Böller und Gerlinde Königseder gelang dies auch. Am 10. August 1975 trat die Majorettengruppe erstmals öffentlich auf - beim traditionellen "Drachenstich" in Furth im Wald. Die heimische Bevölkerung war vom ersten Auftrit der stabschwingenden jungen Damen am 31. August beim Marktplatzfestes hellauf begeistert. Heute leitet Monika Linseele die Majorettengruppe.

Eine ganz entscheidende Wende auf dem musikalischen Sektor wurde 1977 eingeleitet, als Musiklehrer Peter Feldmeier verpflichtet wurde und damit der Schritt vom "Spielmannszug" zum "Musikzug" vollzogen wurde. In Folge konnte dank intensiver Nachwuchswerbung und qualifizierter Ausbildung der musikalische Leistungsstand enorm verbessert werden, wovon noch heute eine Vielzahl von Urkunden und Anerkennungen zeugen.

Gründungsmitglieder des FanfarenzugesDas Jahr 1987 brachte für den Musikzug einen Generationswechsel. Der Gründer Sepp Uschold zog sich aus dem aktiven Geschehen zurück und der musikalische Leiter Peter Feldmeier übernahm die Jugendblaskapelle in Rieden. Der neugewählten Vorstandschaft mit Werner Stein und Jürgen Schatz an der Spitze gelang es mit Anton Lottner einen jungen Dirigenten mit Militärmusikerfahrung als neuen musikalischen Leiter zu verpflichten - ein absoluter Glücksgriff, wie die Weiterentwicklung des Orchesters bis zum heutigen Tag nachhaltig beweist. Unter Anton Lottner wurden neue wertvolle Akzente gesetzt und der musikalische Aufwärtstrend konsequent fortgeführt. Unter seiner Regie legten bereits viele Musiker die Jungmusikerleistungsabzeichen in Bronze, Silber und sogar Gold ab. Zwei Musiker haben sich mittlerweile erfolgreich der Prüfung als Laienmusikdirigenten unterzogen.

Den langersehnten Traum von einem eigenen Probenraum konnte sich der Musikzug im Jahr 1988 erfüllen. Josefshaus-Gastwirt Helmut Birner, ein großer Freund der Blasmusik, stellte den jungen Musikern einen geeigneten Raum im Keller des Josefshauses zur Verfügung. Dadurch konnte die Nachwuchsarbeit weiter intensiviert und erfolgreich gestaltet werden. Die Arbeit trug reichlich Früchte. Im Jahr 1989 wurde man mit einem 1. Platz beim Blasmusikwettbewerb der Mittelbayerischen Zeitung belohnt. Im gleichen Jahr zeichnete die Stadt den Musikzug wegen seiner herausragenden Leistungen im kulturellen Bereich aus. Heute bewegt sich das musikalische Niveau des Orchesters im Oberstufen-Bereich. Das Repertoire reicht von der "konzertanten Blasmusik" bis zur "Bierzelt- und Unterhaltungsmusik".

Ausgebildet werden die Musiker, deren Durchschnittsalter rund 16 Jahre beträgt und deren Altersspanne von 8 bis 50 Jahre reicht, heute von eigenen Orchestermitgliedern, die eine Ausbildung als Registerführer absolviert haben sowie von Musikerkollegen aus befreundeten Musikgruppen. Kein Zweifel: Die konsequente Aus- und Weiterbildung ist vorbildlich gewährleistet.

Auftitt des Musikzuges in HirschauDies ist auch notwendig, denn die Hirschauer Musiker und ihre Auftritte sind gefragt! Man gastierte in Schottland, Frankreich und Spanien, in Tschechien und Norwegen und war sogar bei der "Steuben-Parade" in New York dabei. Musikgruppen aus diesen Ländern zählen zum internationalen Freundeskreis des Musikzuges. Aber auch in deutschen Landen kann man auf viele Freunde zählen von Rosenheim oder Gutach im Schwarzwald im Süden bis nach Emsdetten oder Düsseldorf im Norden bzw. Westen. Zweieinhalb Jahrzehnte schon sind die Hirschauer mit ihren Heroldstrachten beim Rosenmontagszug in der NRW-Karnevalshochburg Düsseldorf vertreten.

In Hirschau selbst gibt es nahezu kein größeres Ereignis kirchlicher oder weltlicher Natur, das nicht durch den Musikzug musikalisch begleitet und damit beträchtlich aufgewertet wird. Dies gilt für die Fronleichnamsprozession ebenso wie für die Gräbersegnung an Allerheiligen, das weihnachtliche Musizieren zur Christmette oder die Umrahmung der Volkstrauertag-Feierlichkeiten. Mit seinem "Marktplatzfest" lockt der Musikzug seit 1975 Jahr für Jahr Einheimische wie Touristen in die Kaolinstadt Hirschau, in deren Kulturgeschehen das alljährliche Osterkonzert des Musikzuges ein absolutes "Highlight" ist. Im Jubiläumsjahr 2002 wird dies am Ostersonntag nicht anders sein!